Ein einsturzgefährdeter Balkon ist keine Seltenheit – besonders bei älteren Gebäuden. Das Tückische: Die Gefahr ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Wir zeigen Ihnen die Warnsignale, die auf eine Einsturzgefahr hindeuten, und erklären, was Sie im Ernstfall tun müssen.
Die 7 Warnsignale für Einsturzgefahr
Achten Sie auf diese Anzeichen – jedes einzelne kann auf eine ernste Gefahr hindeuten:
| Warnsignal | Was es bedeutet | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Sichtbare Bewehrung (Armierungseisen) | Beton ist abgeplatzt, Stahl rostet | 🔴 SEHR HOCH |
| Risse, die sich öffnen/schließen | Statische Probleme | 🔴 SEHR HOCH |
| Absacken oder Neigung des Balkons | Tragfähigkeit gefährdet | 🔴 SEHR HOCH |
| Großflächige Rostfahnen | Bewehrungskorrosion | 🟠 HOCH |
| Hohlklingende Bereiche beim Klopfen | Beton löst sich ab | 🟠 HOCH |
| Risse an der Einspannstelle (Wand) | Kritischer Bereich beschädigt | 🔴 SEHR HOCH |
| Wackeliges Geländer mit losen Verankerungen | Absturzgefahr | 🔴 SEHR HOCH |
Bei EINEM dieser Warnsignale: Balkon sofort nicht mehr betreten und Fachmann rufen!
Sichtbare Bewehrung – das gefährlichste Zeichen
Wenn Sie Armierungseisen sehen können, ist höchste Alarmstufe:
Was passiert ist: Der Beton, der den Stahl schützt, ist abgeplatzt. Der Stahl rostet jetzt ungehindert und verliert seine Tragfähigkeit.
Warum es gefährlich ist: Die Bewehrung trägt die Last des Balkons. Wenn sie rostet, kann sie reißen – und der Balkon stürzt ab.
Typische Stellen:
- Unterseite der Balkonplatte
- Kanten und Ecken
- Bereich am Wandanschluss
- Rund um Entwässerungsöffnungen
Sichtbare Bewehrung = Balkon sofort sperren! Betreten Sie den Balkon nicht mehr, bis ein Statiker ihn freigegeben hat.
Welche Risse sind gefährlich?
Nicht jeder Riss ist ein Notfall – aber manche sind es:
Gefährliche Risse:
- Risse, die sich bei Belastung öffnen und schließen
- Risse am Wandanschluss (Einspannstelle)
- Durchgehende Risse von oben nach unten
- Risse mit Rostfahnen (braune Verfärbungen)
- Risse, die breiter als 0,3 mm sind
Harmlose Risse: Oberflächliche Haarrisse in der Beschichtung, die nicht in den Beton gehen. Diese sind optisch störend, aber nicht gefährlich.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
Wenn Sie Warnsignale bemerken, handeln Sie sofort:
- 1. Balkon nicht mehr betreten
- 2. Andere Bewohner warnen
- 3. Bereich unter dem Balkon absperren (Absturzgefahr!)
- 4. Vermieter/Hausverwaltung informieren
- 5. Fotos zur Dokumentation machen (vom sicheren Bereich aus)
- 6. Statiker oder Bausachverständigen rufen
- 7. Bei akuter Gefahr: Bauamt informieren
Gehen Sie kein Risiko ein! Ein Balkon kann ohne Vorwarnung abstürzen. Im Zweifel lieber einmal zu viel sperren als einmal zu wenig.
Wer kann die Gefahr einschätzen?
Diese Experten können den Zustand Ihres Balkons beurteilen:
Statiker/Tragwerksplaner: Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf Einsturzgefahr. Er kann berechnen, ob der Balkon noch sicher ist.
Bausachverständiger: Kann den Zustand begutachten und Empfehlungen geben. Für gerichtsfeste Gutachten.
Fachbetrieb für Betonsanierung: Kann den Schaden einschätzen und Reparaturmöglichkeiten aufzeigen.
Kosten: Ein Statiker-Gutachten kostet 300-800 €. Das klingt viel, aber: Ein Balkonabsturz kann Menschenleben kosten.
Wer haftet bei einem Balkonabsturz?
Die Haftungsfrage ist eindeutig:
Eigentümer/Vermieter: Trägt die Verkehrssicherungspflicht. Wenn ein Balkon abstürzt und jemand verletzt wird, haftet der Eigentümer – strafrechtlich und zivilrechtlich.
Hausverwaltung: Kann mithaften, wenn sie Warnzeichen ignoriert hat.
Mieter: Muss Schäden melden. Wer einen offensichtlichen Mangel nicht meldet und es passiert etwas, kann mithaften.
Bei Personenschäden durch einen Balkonabsturz drohen dem Eigentümer Gefängnisstrafen wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung!
Häufig gestellte Fragen
Notfall-Begutachtung
Bei Verdacht auf Einsturzgefahr kommen wir schnell vor Ort. Wir begutachten den Zustand und geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung – auch am Wochenende.